Bolivien - Jucker - Kakteen      

 
 
Feldarbeit
Etappe 4
Takesi - Coroico - Tiwanacu - Comanche - Isla del Sol
Dezember 2010

Als ich meine Reise im November 2010 auf der Suche nach Kakteen in der Provinz Ayopaya, Dep. Cochabamba, erfolgreich abgeschlossen hatte, wollte ich anschliessend noch weitere Gebiete in der Region von La Paz erkunden. So entschloss ich mich südlich von La Paz den Takesi-Inka-Trail zu laufen und weiter mit Bus nach Coroico. Von dort zurück aufs Hochland in die Region des Lago Titicacasees, auf den Spuren der Inkakultur.

Takesi Inka Trail





Mit dem Bus fahre ich von La Paz bis in die Region von Palca, wo östlich davon der Takesi-Inka-Trail beginnt. Dieser breit angelegte Weg aus der Zeit der Inkas ist in einem solch gutem Zustand, dass man denken könnte, er sei erst vor kurzem gebaut worden.

Auf dem Apacheta Pass 4´700 m mit Blick nach Osten


Vorbei an kleineren Lagunen gelangt man auf 3´800 m nach Takesi. Das besondere in diesem Dorf ist, dass die Häuser nicht wie üblich aus Lehmziegeln gebaut sind, sondern aus Flusssteinen. Die wenigen Menschen leben von Lama-, Alpacca- und Schafzucht. Es scheint, als ob hier die Zeit stehen geblieben ist.

Das Dorf Takesi auf 3´800 m


Es scheint, als ob die Regenzeit etwas früher eingesetzt hat als üblich, denn beim Abstieg in das weite Tal nach Osten gab es immer wieder heftige Regengüsse und das jeden Tag. Dass es hier wesentlich feuchter ist als auf der Westseite der Cordillera Real sieht man an den mit Gras und Moos bewachsenen Steilhängen. Dort wachsen bodendeckend im Moos auf felsigem Grund Orchideengewächse (Oncidium spec.)

Epidendrum secundum auf dem Takesi-Trail 3200m Süd Yungas

Kakapi Rastplatz mit Amaryllisgewächsen, Takesi-Trail Süd Yungas 3´000m


Weiter Talwärts gelangt man in einen immergrünen dichten Bergurwald. Die Luft ist feucht-schwül und man kommt ins Schwitzen. Doch seit langem gibt es wieder klare Sicht in die verschneiten Berge.

Entlang des Rio Quimsa Chata


Dort wo sich das Tal weiter öffnet, gelangt man in den kleinen Minenort Chojlla, wo meist durch Handarbeit Wolfram abgebaut wird.

Waschen und aussortieren von Wolfram in der Mine von Chojlla


Es führt eine Strasse in diesen Ort, und weil es immer wieder gewitterartige Regengüsse gab, entschloss ich mich, zuerst mit privatem Transport und später mit Bus nach Coroico zu fahren. Coroico liegt in der Provinz Nor Yungas auf einem Bergrücken oberhalb des Rio Coroico auf 1´750 m, ca. 90 km nordöstlich von La Paz. Mit dem malerischen Charakter und angenehmen Klima ist es zunehmend ein touristisches Zentrum geworden mit zahlreichen Restaurants, Pizzerias und Herbergen inklusive einer deutschen Bäckerei.

Coroico

San Juan Wasserfälle bei Coroico


Nach diesem Kurzbesuch in Coroico fahre ich mit dem Bus zurück aufs Hochland und weiter nach Tiwanacu. Dort südlich des Titicacasees auf knapp 4´000 m befindet sich die wohl bedeutendste Tiwancu Ruinenstätte von Prä-Inka-Kulturen Boliviens. Diese wurden im Jahr 2000 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Bis heute wurden nur wenige Orte der einstigen Stadt freigelegt und von Archäologen untersucht.

Landkarte Tiwanacu/Comanche

Ruinenstätte mit der Ortschaft Tiwanacu und Eingagstor

Kalasasaya-Tempel

Versunkener Hof mit seinen drei Stelen

Versunkener Hof mit 175 verschiedenen ethnischen Kopfreliefs


Bis heute wird gerätselt, wie die bis zu zwanzig Tonnen schweren Steine, die für Gebäude, Statuen und Mauern verwendet wurden, von den bis zu 100 km weit entfernten Steinbrüchen transportiert wurden.

Im Innenbereich der Ruinenstätte mit Festungsmauer

Ponce Monolith und Tor zur Sonne

Festungsmauer und Monolithen im Aussenbereich


Südwestlich von Tiwanacu und ca. 78 km westlich von La Paz liegt die Ortschaft Comanche. Ausser dass hier die Bahnlinie von La Paz nach Arica vorbeiführt, scheint dieser Ort einer zu sein wie viele andere im nördlichen Hochland von Bolivien. Doch hier in einem kleinem felsigen Gebirge findet man einen der wenigen Standorte der Puya raimondii in Bolivien.
Diese Bilder wurden 1985 gemacht, als wir während einigen Jahren mit unserem VW Bus auf der Panamericana unterwegs waren. 1984 hatte Dora meine Frau in Cochabamba einen schweren Sportunfall. Die Folge war eine Querschnittlähmung. Nach einem einjährigen Rehabilitationsaufenthalt in der Schweiz setzten wir unsere Reise fort. Da sie immer von mir im huckepack dabei war, konnte sie weiterhin die vielen Naturschönheiten geniessen.
Mehr Infos siehe: Chronologie eines Kakteenforschers.

Puya raimondii mit eingetrockneten Blütenständen und Dora als Grössenvergleich mit Echinopsis tarijensis ssp. tarijensis


Am gleichen Ort zwischen Felsen findet man auch die polsterbildende Lobivia maximiliana HJ 267. Sie ist im nördlichen Hochland von Bolivien in Höhenlagen von 4´000 m und höher weit verbreitet, vor allem in der Region des Titicacasees und angrenzendem Peru.

Lobivia maximilliana HJ 267 bei Comanche auf 4´100 m, Dep. La Paz, Provinz Pacajes
Sind weit verbreitet im nördlichen Hochland von Bolivien bis ins angrenzende Peru.


Von Tiwanacu fahre ich mit Bus weiter bis zur Stasse von Tiquina, (Estrecho de Tiquina) eine Passage, die die grösseren und kleineren Teile des Titicacasees in Bolivien verbindet. Es ist schon erstaunlich, dass diese wichtige Strassenverbindung von La Paz nach Peru hier noch mit diesen urtümlichen Fähren betrieben wird.

Karte Copacabana/Isla del Sol

Fährbetrieb auf der 850 m breiten Strasse von Tiquina nach San Pedro Tiquina


Nach kurzer Fahrt erreiche ich den malerischen Wallfahrtsort Copacabana auf der gleichnamigen Halbinsel am Titicacasee unweit der peruanischen Grenze.

Kathedrale Basílica de la Virgin Morena (Wallfahrtskirche) in Copacabana


Das belebte Zentrum von Copacabana ist immer noch mehrheitlich geprägt vom ursprünglichen Stadtleben der Einheimischen. Doch die vielen Herbergen und Souvenirläden zeigen auch, dass viele Touristen diesen schönen Ort besuchen. Nicht verwunderlich, denn in dieser Region gibt es viel Schönes und Interessantes zu entdecken. Bereits vor über 3000 Jahren errichteten die Inkas entlang des Titicacasees ihre Kultstätten.

Das Zentrum von Copacabana und Bootshafen am Titicacasee


Steigt man auf den Calvario, dem Hausberg der Stadt, hat man einen fantastischen Blick auf die Stadt und über den Titicacasee. Nicht nur für die Inkas war dieser Ort heilig, auch einheimische Katholiken pilgern hierher.

Auf dem Hausberg Calvario, ein religiöser Ort, mit Blick auf Copacabana und Titicacasee


Man könnte von hier direkt mit dem Boot auf die Sonneninsel (Isla del Sol) fahren. Doch ich entschied mich auf Umwegen dorthin zu gelangen. So laufe ich den gut ausgebauten Weg entlang des Titicacasees vorbei an einer Forellenzuchtanlage bis nach Comunidad Sampaya.

Bild: 1 Blick nach Copacabana, Bild: 2 Forellenzucht, Bild: 3 Region von Comunidad Sampaya


Mit regulärem Bootsbetrieb fahre ich auf die Südseite der Isla del Sol. Bei der Ankunft am Schiffshafen steht ein traditionelles Schilfboot. Solche aus Totora-Schilf gebaute Boote, gross und klein findet man an vielen Orten entlang des Titicacasees. Sie werden vor allem für den Fischfang benutzt. Von dort führt eine lange Inkatreppe hoch vorbei an der Pillkukayna Ruine in die kleine Ortschaft Yumani. Nicht zu übersehen sind die touristischen Infrastrukturen wie Restaurants und Unterkünfte in bester Lage, die in den letzten Jahren entstanden sind und heute eine wichtige Einnahmequelle sind. Gleichzeitig aber ist das Ursprüngliche Leben der Einheimischen, die seit mehr als 3000 Jahren hier leben noch voll in Takt. Da es keine Strassen gibt auf der Insel, kommen für den Transport der Güter vom Festland Esel und Lamas zum Einsatz.

Überfahrt und Aufstieg vom Bootshafen nach Yumani auf der Südseite der Isla del Sol

Wunderschöne Ausblicke von Yumani über den Titicacasee und der Cordillera Real mit den noch intakten Pflanzterrassen aus der Zeit der Inkas. Der Titicacasee ist 15,5 mal grösser als der Bodensee und mit 3´800 m der grösste höchstgelegene See der Welt.


Auf dem gut erhaltenen Inka Weg, der um die ganze Insel führt, machte ich mich auf den Weg die ca. 14 km2 grosse Insel zu erkunden. Die wenigen Siedlungen am Ostufer befinden sich meist in Buchten in Ufernähe, wo Kartoffeln gepflanzt und Fischfang betrieben wird.
Kleine Siedlungen mit einem verlockend schönen Badestrand in der kleinen Ortschaft Challapampa. Bei einer durchschnittlichen Wassertemperatur von 9 - 11° C ist er nur für hartgesottene Schwimmer geeignet.

Verlockend schöne Badestrände um Challapampa


Über steiniges hügeliges Gelände erreiche ich auf der Nordseite der Insel die Ruine von Chincana, die wohl bekannteste der 80 Ruinen auf der Insel. Sie haben in der Inkakultur eine grosse historische Bedeutung.

Die Ruinen von Chincana mit Steintisch (Mesa Ritual) am Nordende der Isla del Sol


Auf einem Bergrücken mit Blick über die ganze Insel geht es auf den Cerro Chequesan, der 275 m höher liegt als der See und weiter zurück nach Yumani. Es ist spät geworden und die Frauen gehen mit Ihren Schafen von den Weiden zurück in ihr Dorf. Auch Schweine geniessen diese Freiheit und wühlen im harten Boden.

Auf dem Höhenweg von Chincana zurück nach Yumani
Bild 5: Vom Cerro Chequesan, Blick nach Süden


Diese Bilder von den Kindern wurden bei einem Kurzbesuch im Jahre 2001 auf der Isla del Sol gemacht. Danach war ich auf dem nicht ganz ungefährlichen Camino del Oro von Sorata nach Guanay unterwegs.
Siehe: Sorata - Tipuani - Guanay, Dez. 2001

Kinder in Yumani auf der Isla del Sol


Bereits im Jahre 1985, als wir mit unserem VW Bus in Südamerika unterwegs waren, haben wir die Region um den Titicacasee genauer nach Kakteen untersucht. So habe ich am Südostende vom Titicacasee eine grössere Population von Lobivia pentlandii HJ 260 gefunden mit verschiedenen Blütenfarben. Die Art ist weit verbreitet bis in die Region von Potosi und Cochabamba.

Lobivia pentlandii HJ 260 im Südosten des Titicacasees 4´100 m, Dep. La Paz, Provinz Omasuyos

Kulturpflanze: Lobivia pentlandii HJ 260-1